Mittwoch, 10. dezember 2008
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Kindheit, Unbeschwertheit, Sorglosigkeit, Geborgenheit...gerne denkt man daran zurück - normalerweise. Es sollten einem die guten Dinge in Erinnerung bleiben, doch sind es meist die Schlechten, die
einen viel schwerwiegenderen Eindruck hinterlassen haben. Kindheit, ein Lebensabschnitt, der gefährlich ist - wenn nicht sogar der gefährlichste im ganzen Leben. Nie ist man schutzloser und mehr
angewiesen auf sein Umfeld, nie ist man prägsamer als in diesem Zustand. Um es krass zu sagen, das gesamte folgende Leben ist eine Folge der Kindheit. In der Kindheit wird ausgesäht, was später
geerntet werden kann oder niemals erblüht, weil es im Keim erstickt wird.
Ich denke an meine Kindheit zurück und verspüre Schmerz. Schmerz in meiner Seele. Und Verwunderung und zugleich Bewunderung. Eigenartige Dinge sind passiert, doch ich war zu jung um sie vollständig
zu erfassen.
Meine Erinnerung reicht zurück bis in meinen dritten Lebensmonat. Ich kann mich an Dinge erinnern und Szenen detailgenau beschreiben, die ich rein theoretisch nach wissenschaftlichen Erkenntnissen
noch gar nicht aktiv hätte wahrnehmen und mich daran erinnen hätte können. Doch ich kann es. Ich habe das Gefühl, ich war damals schon meiner Zeit voraus.
Schmerz, ein Gefühl tief im Inneren. Seelischer Schmerz wird unterschätzt und prägt den Menschen genau wie körperlicher - wenn nicht sogar noch mehr. Das schlimmste was einem Kind passieren kann,
ist indirekt seelischer Misshandlung ausgesetzt zu sein, ohne dass es auch nur geringfügig von der Umwelt wahrgenommen wird. Der Schmerz kann sich immer weiter in das hilflos ausgesetzte Wesen
hineinfressen, ohne dass auch nur jemand etwas davon bemerkt. Ein Kind, was immer wieder mitansehen muss wie der jähzornige Vater die Mutter bis zu den Tränen erniedrigt und alle Nahestehenden
Personen aus dem Haus schmeißt, leidet Höllenqualen. Sind es nicht gerade diese Menschen, die dem schutzlosesten Wesen unter ihnen Halt geben sollen? Sind es nicht gerade diese Menschen, die dem
Kind Sozialverhalten vorleben sollen? Statt dem Kind Orientierung zu verschaffen, schafft man eine giftige Irrittation. Das Kind nimmt wahr, dass es Unstimmigkeiten innerhalb seines Biotopes gibt
und die Menschen, die es eigentlich alle leiden kontte, sich plötzlich gegenseitig nicht mehr achten und respektieren. Ein Kind, was nicht weiß was genau überhaupt um es herum geschieht, wesewegen
grobe Streitigkeiten ausbrechen und sich verschiedene Fronten ausbilden, befindet sich nicht in der Position einer Metaebene - es ist ein Kind! Das Kind hört das Geschrei, die bösartige Rhethorik
und sieht die Gewalt, die es umgibt. Und das alles ohne das ganze in einen sinnvollen Zusammenhang bringen zu können. Der Ausdruck sinnvoller Zusammenhang ist hier generell deplatziert, denn solche
Auseinandersetzungen befinden sich meist jenseits jeglichen sinnvollen Zusammenhangs. Es ist ein furchtbar laute und gewaltgeballte Welt, die in diesem Moment auf das Kind einstürzt, obwohl es
nicht direkt involviert ist. Solche Szenarien des Schreckens verschüchtern Kinder und verstärken Hemmungen und Ängste.
Alle Schönrederei der beteiligten Erwachsenen, dass das Kind doch nichts damit zu tun habe und eh noch viel zu klein, um das alles zu Realsieren ist nichtig. Ich habe am eigen Leib erfahren wie es
ist und kann mich noch heute bildhaft daran erinnern als sei es gestern gewesen. Solche Schreckmomente, die sich im schlimmsten Fall kummulieren, machen alles "gucci-gucci-gooh"-Gedöns zu nichte.